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20.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Wolfratshausen

Allein mit den Schmerzen

Für viele ist die Weihnachtszeit eine Zeit der Freude. Für Margit K. (Name geändert) ist sie ein Horror. Es kommen Nachzahlungen, Beiträge werden fällig, und ihre Gesundheit verschlechtert sich. „An Weihnachten ist es am schlimmsten. Da bin ich jedes Jahr am Verzweifeln“, sagt die 50-Jährige, die seit zehn Jahren von Hartz IV lebt. Sie ist zu 60 Prozent behindert, klagt über Knie- und Hüftprobleme, erst vergangenes Jahr diagnostizierte man bei ihr Rheuma.



„Mich graust davor, wenn’s richtig kalt ist“, meint K.. Dann nehmen die Schmerzen wieder zu. Und sie muss noch häufiger in ihrer dunklen Dachgeschosswohnung bleiben, in der ihr die Decke auf den Kopf fällt. Seit fünf Jahren möchte sie die Wände neu geweißelt und die Türen abgeschliffen haben. Farbe, Pinsel, Rolle, alles sei vorhanden, sagt Margit K., aber streichen könne sie wegen ihrer Krankheit selbst nicht. Und Geld für Maler hat sie nicht. „Das bedrückt mich, das geht auf die Seele“, sagt sie und drückt ihr Gesicht in beide Hände. Dazu das Auto, dessen TÜV seit März 2011 abgelaufen ist. Die Untersuchung hatte sie nicht machen lassen, weil sie kein Geld dafür hatte. Nun, meint sie, müsse man sicherlich die Bremsscheiben wechseln, weil das Auto so lange herumgestanden ist: „Für mich wäre das eine große Hilfe wegen der Krankheit. Ich habe niemanden, der mir hilft.“
So muss sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Einkaufen fahren, mit Rollator. Da könne sie nicht viel mitnehmen, sagt Margit K.: „Es wäre gut, wenn ich einmal wieder das Auto vollladen könnte.“ Bekannte hätten ihr vor langer Zeit bereits versprochen, ihr Ersatzteile zu beschaffen. Darauf wartet sie bis heute. Nachfragen will sie mittlerweile nicht mehr: „Das habe ich satt.“ Manchmal, sagt Margit K., möchte sie einfach nur abhauen. Abhauen vor der Einsamkeit, ihrer dunklen Wohnung, ihren Krankheiten. Und wenn es nur für einen Tag in München ist. Doch auch dafür reicht das Geld nicht.

(SZ vom 20.12.11)