SZ Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung

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23.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Fürstenfeldbruck

Arm trotz Vollzeitstelle

Für die Diakonie in Fürstenfeldbruck ist die aus Angola stammende Familie Osono (Namen von der Redaktion geändert) ein Musterbeispiel für eine neue, rapide zunehmende Form von Armut. Obwohl der Mann in Vollzeit arbeitet und seine Frau stundenweise etwas mitverdient, obwohl das Ehepaar kostenlose Lebensmittel von einer Tafel bezieht und zusätzlich auch noch Arbeitslosengeld II erhält, reicht das Einkommen nicht aus.



Der Hauptgrund für die Misere liegt in dem extrem niedrigen Lohn, den der 41-Jährige als Vollzeitkraft bei einer Reinigungsfirma erhält. Dort arbeitet auch die 28 Jahre alte Mutter von drei Kindern im Alter von eineinhalb, fünf und sieben Jahren stundenweise mit, um den niedrigen Lohn des Familienvaters wenigsten noch etwas aufzubessern.
Das Einkommen der Familie Osono reicht gerade noch zur Sicherung des Existenzminimums. Das Nettoeinkommen des Vaters beträgt 1250 Euro im Monat. Was damit beispielsweise nicht mehr zu finanzieren ist, ist ein Ersatz für die wackeligen Küchenstühle. Für die drei Kinder wird fast ausschließlich Bekleidung auf Gebrauchtwarenmärkten besorgt, trotzdem fehlen noch Winterjacken und feste Schuhe für die kalte Jahreszeit. Und es fehlten auch die Mittel für eine Fahrt des Vaters zur angolanischen Botschaft nach Berlin, um dort den Pass für den ältesten Sohn Jason zu erneuern. Das persönliche Erscheinen bei der Botschaft ist notwendig, weil sonst kein neuer Pass ausgestellt wird. Nur gibt es von keiner Stelle irgendwelche Zuschüsse für eine solche Extra-Reise, die für einen Erwachsenen und ein Kind gleich mehrere hundert Euro kostet. Ansparen können die Osonos dafür nichts.
Die junge Mutter leidet zudem unter einer Darmerkrankung und muss regelmäßig Medikamente einnehmen, die ihre Krankenkasse nicht finanziert. Zurzeit verfügen zudem weder die Kinder, noch die Eltern über einen Schrank in ihrem Zimmer.
Die Afrikaner leben seit zwei Jahren in Deutschland. In einem ist die junge Frau für die sie betreuenden Mitarbeiter der Diakonie vorbildlich: Die 28-Jährige hat sich nach deren Einschätzung hervorragend integriert. Sie kann inzwischen ganz gut Deutsch und hat als Mutter viel vom Spiel- und Lernprogramm Opstapje profitiert. Das Projekt Opstapje dient der Frühförderung benachteiligter Kinder im Landkreis.
Ihre Lebenssituation empfinden die beiden Angolaner als sehr belastend. Was sie motiviert, ist die Zukunft ihrer drei Kinder. So ist es für die Eltern besonders wichtig, dass ihr Ältester in der Schule gut und vor allem erfolgreich mitmacht. Auch die beiden Kleineren sollen bekommen, was sie benötigen. Das Ehepaar beantragte Asyl.Da beide arbeiten, erhielten sie eine befristete Aufenthaltsgenehmigung.
Der Adventskalender möchte mit einem kleinen Geldbetrag mithelfen, dass die Familie wenigstens ein paar kleine Probleme weniger hat. Ihre Situation bleibt schwer genug.

(SZ vom 23.12.11)