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29.11.2011

SZ – Landkreis Starnberg

Leben ohne Spielraum

Amina K. kam als Au-pair- Mädchen nach München. In ihrer Heimatstadt in Schwarzafrika hatte sie bereits am Goethe-Institut einen Deutschkurs absolviert und wollte die Sprache nun richtig lernen. Doch es kam alles anders. Heute lebt die 25-Jährige mit ihrem einjährigen Sohn in einer Mutter-Kind-Einrichtung im Landkreis.



Ihr Deutsch ist mittlerweile ganz passabel, und sie hat eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. „Sie strampelt sich ab, sie ist zäh und will die Ausbildung unbedingt schaffen“, sagt Susanne Tietjens, Leiterin des Mutter-Kind-Hauses in Gilching.
Doch die finanziellen Probleme, die fehlende Freizeit und quälendes Heimweh lassen die junge Frau manchmal fast verzweifeln. „Ihr Aufenthaltsstatus ist geklärt. Da das Kind die deutsche Staatsbürgerschaft hat, darf die Mutter mit ihm hier bleiben“, sagt Tietjens. Die Alleinerziehende habe Anspruch auf Hartz IV und bekomme jetzt Bafög. Trotzdem komme sie kaum über die Runden, vom Vater des Kindes erhalte sie keinen Cent. „Für Kopiergeld, zusätzliche Bücher und Hefte oder gar einen modernen Laptop, der für viele ihrer Kommilitonen eine Selbstverständlichkeit ist, fehlt das Geld. Sie ist sehr sparsam, sie hat einfach keinen Spielraum“, findet die Betreuerin im Mutter-Kind-Haus. Ein wenig Extrageld würde ihr gut tun.
Amina K. kann auch nichts dazu verdienen, weil sie ohnehin schon kaum Zeit übrig hat. „Spät nachmittags, nach dem Unterricht, holt sie den Kleinen von der Krippe ab. Kind und Haushalt brauchen dann ihre ganze Aufmerksamkeit. Lernen kann sie erst, wenn der Kleine schläft“, berichtet die Sozialpädagogin. „Wenn sie sich mal an einem Samstagnachmittag ein paar Stunden entspannen könnte, einmal im Monat einen Babysitter bezahlen könnte, das wäre uns allen ein großes Anliegen“, sagt Tietjens.
Denn auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter hoffen, dass die junge Frau die Ausbildung schafft. Derzeit hilft ihr eine freiwillige Patin beim Lernen. Denn obwohl sie mittlerweile ganz passabel deutsch spricht, kennt sie die Fachausdrücke nicht. Die Helferin hat ihr ein medizinisches Wörterbuch geschenkt – „da war sie überglücklich“. Durch ein freiwilliges soziales Jahr in einem Altenheim sei Amina K. zu der Ausbildung gekommen. „Sie hat eine gute Hand im Umgang mit älteren Menschen. In ihrer Heimat gehört das Kümmern um die Alten zum Alltag in den Großfamilien.“ Da händeringend Pflegekräfte gesucht werden, wäre es schön, wenn Amina K. bei ihrer Ausbildung unterstützt würde.

(SZ vom 29.11.11)