Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
In ihrer Wohnung ist es ordentlich. So, als müsste Nasdar B. die Unordnung noch immer bekämpfen, die es in ihrem Leben lange gegeben hat. Zwei Männer hat sie heiraten müssen. Beide Männer haben ihr das Leben schwer gemacht. Dabei hätte es einen Mann gegeben, den die Irakerin wirklich geliebt hat.
Sein Foto trägt sie bis heute in ihrem Geldbeutel. Mittlerweile ist er verheiratet, hat ein Kind. Als sie von seiner Hochzeit erfuhr, hat Nasdar B. ihm aus Deutschland Glückwünsche in ihre alte Heimat geschickt. Zweimal hatte dieser Mann um ihre Hand angehalten, bei ihrem Vater, der nicht abgeneigt war. Aber die Mutter habe es verboten, erzählt sie. Mit der Mutter spricht sie kein Wort mehr.
„Er hat kein Geld, aus dem wird nichts“, musste Nasdar B. sich anhören. Die Mutter wollte etwas Besseres für die Tochter, und so musste die einen wohlhabenden Cousin heiraten – einen Mann, 16 Jahre älter, der schon zwei Ehefrauen verstoßen hatte. Am Grenzübergang zu Iran hat er seine zukünftige Ehefrau abgeholt. „Bis dahin hatte ich nicht einmal ein Foto von ihm gesehen“, erzählt Nasdar B. Nach der Heirat sperrte ihr Mann sie im Haus ein, verbot ihr zu telefonieren. Da nahm Nasdar B. ihr Hochzeitsgeld und floh nach Deutschland. Den gesellschaftlichen Zwängen aber entkam sie nicht. Wieder war es eine Frau, die sie verkuppelt hat, wieder mit dem Falschen. „Du kannst als Frau hier nicht alleine leben“, habe man ihr erzählt.
Ihr neuer Mann trank, rauchte. „Drei Packungen Zigaretten am Tag hat er gebraucht.“ Das Geld dafür hat sie verdient. Als er begann, sie zu schlagen, floh Nasdar B. abermals, dieses Mal mit ihrem Sohn. Der ist heute sieben Jahre alt. Ein begabtes Kind sei Ali, sagt die Sozialpädagogin, die Nasdar B. in ihrer Unterkunft betreut. Eng ist es dort, aber Nasdar B. will nicht klagen. Dafür, dass sie „leben kann ohne Kontrolle“, würde sie alles geben. Nur würde sie gern mehr unternehmen können mit ihrem Sohn: mal ins Kino, mal zum Schwimmen. Oder Flötenunterricht für Ali. Nasdar B. hat eine Arbeit auf 400-Euro-Basis gefunden. Nur für Anschaffungen wie ein Fahrrad für Ali reicht das eben nicht. Mit dem alten, kleinen schäme er sich so, erzählt die Mutter, dass sie es immer zwei Straßenzüge vor der Schule abstellen müssten, damit Alis Freunde ihn nicht sehen. „Sonst lachen sie über mich“, befürchtet er.
Der Mann, den sie im Irak einst geliebt hat, fahre heute übrigens „das modernste Auto im Dorf“, erzählt Nasdar B. Doch irgendwie gibt es ihr überhaupt keine Genugtuung, dass die Mutter nicht Recht behalten hat.
(SZ vom 12.12.11)