Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
45 Familien aus Freising und dem Landkreis betreut die „Ambulante Hilfe“ momentan. „Wir könnten uns aber noch um wesentlich mehr kümmern“, sagt Sozialpädagogin Claudia Kronfellner, die Leiterin der Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge der Erzdiözese München und Freising. Die Nachfrage von Familien nach einer Betreuung sei in den letzten Jahren enorm gestiegen; inzwischen gebe es bereits eine Warteliste.
Waren es früher vor allem sozialpädagogische Einsätze in einer Familie, ging es also überwiegend um Erziehungsfragen, so seien die Problemlagen mittlerweile „äußerst vielfältig.“ „Meistens geht es um eine komplexe Multiproblem- Situation", sagt Kronfellner.
Psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen der Eltern sowie Verhaltensauffälligkeiten der Kindern würden immer häufiger auftreten. „Dazu dann noch arbeitslos oder allein erziehend sein und der Problemberg ist auf einmal so groß, dass er nicht mehr alleine bewältigt werden kann“, schildert Kronfellner. Wenn ein Elternteil – häufig sind es die Mütter– unter einer psychischen Erkrankung leidet, der Alltag auf einmal keine Struktur mehr besitzt, dann hat es auch gravierende Auswirkungen auf die Kinder und die gesamte Familie.
So wie bei Familie S.: Die Mutter litt unter schweren Depressionen und extremem Untergewicht. Auch dadurch war die Beziehung zu ihrem Mann von starken Konflikten geprägt, worauf die älteste Tochter der insgesamt drei Kinder mit extremer Rebellion und einer Verweigerungshaltung in der Schule reagierte. Bei den wöchentlichen Besuchen einer Sozialpädagogin der „Ambulanten Hilfe“ wurde in Gesprächen nach Lösungen gesucht. Die Sozialpädagogin knüpfte Kontakte zum Jugendsozialarbeiter der Schule und suchte einen Psychotherapeuten für die Mutter. Sie begleitete die Frau wegen ihres Untergewichtes zum Arzt und lotete die Möglichkeiten eines stationären Klinikaufenthaltes oder einer Kur aus. Nach einem Jahr geht die Mutter nun zu einem Therapeuten und auch die Tochter besucht eine Gesprächstherapie – das „Sprungbrett" der „Ambulanten Hilfe" hat also funktioniert.
Bei dem obligatorischen ersten Hausbesuch in einer vom Amt für Jugend und Familie zugewiesenen Familie will die Sozialpädagogin der „Ambulanten Hilfe“ in der vertrauten Umgebung erst einmal erfahren, welche Probleme eine Familie hat und welche konkreten Hilfen möglich sind. Und es geht ihr darum, einen Einblick in die Struktur der Familie zu gewinnen.Um dann erfolgreich arbeiten zu können, hat es für die Sozialpädagogin zunächst Priorität, ein Vertrauensverhältnis zu den Familienmitgliedern aufzubauen. Mindestens ein Jahr lang begleiten sie ihre Klienten, oft sogar über zwei Jahre hinweg, mit dem Ziel, dass die betreute Familie wieder „selbständig laufen lernt.“ Sie soll nicht von der „Ambulanten Hilfe“ abhängig werden, sondern in ein Netzwerk verschiedener Hilfsangebote eingebunden werden.
„Wir beobachten zunehmend, dass immer mehr Menschen in unserer Leistungsgesellschaft abgehängt werden. Auch in unserem ja eigentlich sehr wohlhabenden Landkreis", schildert Kronfellner. Bei ihrer Arbeit handle es sich mittlerweile überwiegend um Familienhilfe. Zwar sei der Fokus eigentlich auf die Kinder gerichtet, aber deren Wohlbefinden stehe immer im direkten Zusammenhang der gesamten familiären Situation und der Eltern. Für die betreuten Familien, die am oder unter dem Existenzminimum leben und deren Alltag durch eine Krankheit zusätzlich erschwert wird, braucht die „Ambulante Hilfe“ schnell und unbürokratisch Spendengelder. „Beispielsweise für unsere Noteinkäufe, wenn der Kühlschrank einer Familie vor dem Wochenende wieder einmal leer ist", erzählt Kronfellner. Oder um mit den Familien sinnvolle Freizeitaktivitäten unternehmen zu können, wie den Besuch eines Schwimmbades. Und dann gibt es noch die gemeinsamen Erlebnispädagogik-Wochenenden in einer Berghütte, die auch finanziert werden müssen. „Die meisten Kinder staunen da erst einmal. Die sehen nämlich das erste Mal in ihrem Leben die Berge“, sagt Kronfellner.
(SZ vom 17.12.11)