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23.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Wolfratshausen

Starthilfe in ein neues Leben

Es hätte ein schönes Leben werden können, unter der französischen Sonne an der Côte d’Azur, mit Freund und einem Glas guten Rotweins. Nur wurde es das ein oder andere Glas zu viel. Am Ende war Eva U. (Name geändert) alkoholabhängig und wusste, dass sie etwas ändern musste: Sie verließ ihren Freund und Frankreich. „Ich habe ein Alkoholproblem. Wenn ich trinke, kann ich mich nicht mehr stoppen“, sagt die 44-Jährige.



Mittlerweile hat sie nach einer Therapie ihr Alkoholproblem im Griff, ihr Leben dagegen noch nicht ganz. U. zeigt sich dennoch optimistisch: „Ich versuche, locker zu bleiben. Jetzt beginnt mein neues Leben.“
Seit der Geburt ihrer Töchter hat die alleinerziehende Mutter keine regelmäßige Arbeit ausgeübt. Ein paar Aushilfsjobs hier, eine missglückte Firmengründung dort. „Zuerst hieß es bei Einstellungsgesprächen, meine Zwillinge seien zu jung, und später hieß es, ich sei zu lange aus dem Job draußen“, beschreibt die gelernte Kauffrau ihre Probleme bei der Arbeitssuche. Derzeit bewirbt sie sich wieder um eine Stelle. Dafür zog sie bei ihren Töchtern aus der Wohnung aus, in der sie bis vor zwei Monaten im Wohnzimmer auf der Couch schlief. „Ich muss mich auf mich konzentrieren“, sagt sie. Nur 100 Euro Rentenanspruch hat sie bisher, das mache ihr Angst.
Derzeit lebt sie von Hartz IV; von den 364 ihr zustehenden Euro behält das Arbeitsamt 20 Prozent ein für Geld, das es Eva U. ausgelegt hatte – vor einigen Jahren für eine neue Waschmaschine und kürzlich für die Kaution ihrer neuen Wohnung. Nun möchte sie sich einen Gasherd einbauen lassen. Mit einem Abschlag von 20 Prozent kann sie sich das aber nicht leisten. Kochen konnte U. in ihrer Wohnung bisher nicht. Wie sie sich in der Zeit ernährt hat? „Bei der Caritas gibt es für 1,70 Euro den Mittagstisch.“ Abends habe sie nur Brot gegessen.
Eine Liste mit anfallenden Kosten und offenen Rechnungen liegen vor Eva U. Ihre Kinder wohnen seit ihrer Volljährigkeit allein, finanziell unterstützen kann ihre Mutter sie nicht. Seit Jahren konnte sie ihnen kein Geschenk mehr machen, weder zu Weihnachten noch zum Geburtstag, nicht einmal eine Kleinigkeit zum Abitur. „Ich hoffe, dass ich sie irgendwann einmal zum Shoppen einladen kann, wenn ich Geld habe“, sagt U. Um ihren Töchter ein bisschen von dem zurückzugeben, was sie für sie getan haben.

(SZ vom 23.12.11)