Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
In Berlin wird heftig über die „Herdprämie“ diskutiert, in München über ein kostenloses Kindergartenjahr. Für die Familie Becker (alle Namen geändert) aus Puchheim sind das akademische Diskussionen. Ihre dreijährige Tochter Clara besucht seit diesem Jahr einen örtlichen Kindergarten. Um sich dies aber leisten zu können, muss an anderer Stelle gespart werden. Auf künftige politische Weichenstellungen jedenfalls kann die Familie nicht warten.
Denn Petra Becker erwartet in ein paar Monaten Zwillinge und kann deshalb ihren Beruf als Erzieherin nicht ausüben. Ihr Mann verdient eigentlich zu wenig, um über die Runden zu kommen – liegt aber vermutlich um ein paar Euro über der Grenze, bis zu der Zuschüsse gewährt würden. „Die beiden bemühen sich wirklich, die versuchen alles, aber finanziell ist es sehr knapp“, sagt die Leiterin des Kindergartens.
Sie weiß, wie schwer sich die Familie damit tut, die Gebühren aufzubringen. Dass Eltern ihre Kinder aus Kostengründen aus Kitas nehmen, ist für sie eine wahre Horrorvorstellung. Denn dort gehe es nicht nur um die Betreuung, sondern auch um das Miteinander in einer Gruppe Gleichaltriger, um „anregungsreiche Lebensräume“ und um„die Stabilisierung der Basiskompetenzen im kognitiven und sozialen Bereich“ – als wichtige Ergänzung zum Familienleben.
Auch Petra Becker weiß das natürlich und will den Kindergartenbesuch ihrer Tochter in jedem Fall gewährleisten – auch wenn sie glaubt, dass „die ersten drei Jahre, bis auch die Zwillinge einen Kindergarten besuchen können und ich wieder arbeiten kann“, sicher sehr schwierig werden. Falls sie sich entschließt, Anträge auf eine Unterstützung zu stellen, so wäre auch dies frühestens nach der Geburt der Zwillinge im Frühjahr möglich. „Diese Familie hätte Hilfe wirklich verdient“, davon ist die Puchheimer Kindergartenleiterin zutiefst überzeugt.
Nicht nur die monatlichen Gebühren sind ein Problem. Viele Kindersachen für die kleine Clara konnten die Beckers gebraucht kaufen. Ob sich freilich auch ein gut erhaltener Zwillingskinderwagen finden lässt, ist noch völlig offen. Ein noch drängenderes Problem wird wohl die Suche nach einer größeren Wohnung werden. Zu fünft wird die Dreizimmerwohnung kaum reichen.
Mit ganz ähnlichen Problemen wie die Beckers kämpft auch die Familie Lassek. Ihr Sohn Max besucht die selbe Puchheimer Kita. Vater und Mutter versuchen, das nötige Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen. Doch auch bei ihnen reicht es bestenfalls für das Allernötigste. Die Gebühren für den Kindergarten aber reißen jeden Monat ein tiefes Loch in die schmale Haushaltskasse. Auch die Lasseks wollen ihrem Kind einen guten Start ins Leben ermöglichen.
(SZ vom 08.12.11)